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Kino 17.09.2026

Resident Evil schafft das Unmögliche: Es ist die ultimative Spieleverfilmung

Resident Evil schafft das Unmögliche: Es ist die ultimative Spieleverfilmung
Hut ab! Zach Cregger hat seinen dritten Horror-Geniestreich infolge gedreht. Ich habe Resident Evil vorab im Kino gesichtet und mich als Gamerin selten so gesehen gefühlt. Resident Evil ist das neue Nonplusultra für Spieleverfilmungen.

Filme, die auf Spielen basieren, sind eines der verlachtesten Genres Hollywoods. Nach jahrzehntelanger Pein ist es ausgerechnet das durchwachsene Franchise Resident Evil, das die ultimative Spieleverfilmung liefert. Grund dafür ist Regisseur Zach Cregger, ein Ausnahmetalent für aufreibende Horrorkomödien wie Barbarian und Weapons. Ohne Scheu davor, wie simpel Videospiele oft sind, liefert er eine Punktlandung.

In dieser spoilerfreien Filmkritik zu Resident Evil erfahrt ihr, wie Cregger das Undenkbare schafft und mit einer völlig neuen Geschichte dem 30 Jahre alten Resident Evil-Universum zum runden Geburtstag die Sahnehaube aufsprüht.

Resident Evil ist so unkompliziert, dass es genial ist

Das Resident Evil-Franchise hat mit über 30 Videospielen und über 10 Filmen und Serien drei Jahrzehnte lang Lore aufgebaut. Über die Umbrella Corporation, über den T-Virus und über Dutzende beliebte Charaktere. Zach Cregger wirft das zwar nicht komplett über Bord, aber er lässt sich davon auch nicht beeindrucken. Stattdessen nimmt er das simple Kernstück, was ein Videospiel dieses Kalibers ausmacht: Du musst von A nach B und überall sind Monster. Namen wie Umbrella Corporation und Raccoon City werden zwar genannt, sind aber völlig irrelevant. Wer denkt, dass man daraus keinen gewieften und atemstockenden 90-Minüter drehen kann, hat den Film noch nicht gesehen.

Die Schlichtheit beginnt beim Titel und setzt sich über die Prämisse bis zur Hauptfigur fort. Die Person, die hier von A nach B muss, ist man nicht wie in den Spielen selbst, aber das Nächstbeste: ein völliger Normalo namens Bryan, gespielt vom unscheinbaren Weapons-Star Austin Abrams. Er ist Organkurier, oder "besserer Uber-Fahrer", wie er selbst sagt, der am Ende seiner Schicht einen Spezialauftrag bekommt. Er soll etwas Superwichtiges von dem Krankenhaus (A), in dem der Film startet, ins Krankenhaus nach Raccoon City (B) transportieren, und er sagt nur wegen der doppelten Bezahlung zu.

Was genau in der medizinischen Kühltasche ist, weiß er nicht, aber Leben hängen davon ab. Mit viel zu schlechter Ausrüstung fährt er in einen Schneesturm, während er mit seiner Freundin am Telefon über eine wichtige Lebensentscheidung diskutiert. Sie ist schwanger, er ist überfordert. Dann fährt er eine Frau an. Und so beginnt seine ganz persönliche, episodische Odyssee vorbei an abgelegenen Farmhäusern, durch die Kanalisation und weitere Schauplätze, die Gamer:innen nur zu gut kennen. Dank der cleveren Wendungen und bösen Überraschungen im Drehbuch von Zach Cregger und Shay Hatten (John Wick: Kapitel 3) wirken die Pfade dennoch nicht ausgetrampelt.

Die Mischung aus bitterböser Unterhaltung im Kinosessel und stetiger Überforderung wie beim Spielen, die Resident Evil hier schafft, ist unter sämtlichen Spieleadaptionen bisher einzigartig.

An Resident Evil müssen sich fortan alle Spieleverfilmungen messen

Nach jahrzehntelanger Gurkensaison bei den Spieleverfilmungen kamen in den letzten Jahren ein paar vereinzelte Juwelen hinzu. Ja, The Last of Us ist eine schöne Umsetzung der Geschichte der Spiele, lässt aber jegliches Gaming-Gefühl vermissen. Der Super Mario Galaxy Film war immens erfolgreich, lässt aber inhaltlich zu wünschen übrig. Und sie können nicht einmal ansatzweise das bieten, was Resident Evil als Videospieladaption trotz unkomplizierter Aufmachung alles in sich vereint.

Denn neben dem simplen Vorankommen und Überleben, das die perfekte Basis liefert, fängt Zach Cregger auch mit anderen Kniffen das Gefühl des Spielens ein. Bryan verhält sich so, wie sich die meisten von uns verhalten würden. Er flucht durchgehend, versteht nicht, was passiert, denkt nicht voraus, stolpert über Elektrozäune und kreischt wie Ned Flanders. Und vor allem hat er große Probleme beim Schießen. Er findet den Safety-Knopf nicht und kann nicht zielen – schon gar nicht mit einer Halbautomatik. Das sorgt für exakt denselben panischen Survivalhorror und dieselbe konstante Überforderung, die einem Spiele oft vermitteln.

Beeindruckende Aufnahmen von schneeweißen Landschaften, blutgetränkten Großstadtschluchten und ekelhaften Monsterbergen haben in ihrer Bildgewalt den Spielen sogar einiges voraus. Ein paar konkrete und dezent gesetzte Easter Eggs (Stichwort: Schreibmaschine) sowie sehr direkte Gespräche über Videospiele runden die Liebe zum Franchise ab, die gerade um ihren vielleicht besten Eintrag erweitert wurde.

Zach Cregger und Resident Evil sind ein Match für die Ewigkeit

Das alles ist vor allem Zach Cregger zu verdanken, der nach Barbarian und Weapons nun schon den dritten gewitzten Horrorfilm voller Ekel, Witz und fieser Wendungen gedreht hat. Er hat verstanden, was Resident Evil ausmacht. Es sind nicht die Umbrella Corporation, Leon S. Kennedy oder eine ganz bestimmte Art von Monster.

Resident Evil bedeutet holprigen Survival, mutierte Körper, panische Ballerei und vor allem Humor. Das Franchise wurde zwar als Grusel-Horror geboren, lebt aber bis heute ebenso von dummen Onelinern, absurder Situationskomik und Over-the-Top-Gore. Genau das spielt Zach Cregger in die Karten, der im Herzen Horrorkomödien dreht, die sich niemals völlig ernstnehmen. Nicht umsonst erinnert sein Resident Evil-Film in seinen ekligsten Szenen stark an das Tanz der Teufel-Franchise und besonders die hervorragende Serie Ash vs Evil Dead samt Horror-Babys und Körperverschmelzungen.

  • Zum Weiterlesen: 3 Gründe, Ash vs. Evil Dead nachzuholen

Resident Evil setzt neue Maßstäbe. Der Film wird für Resident Evil-Spielefans genauso ein Genuss sein wie für Horror- und Gore-Liebhaber:innen und für alle, die gewieften, schnellatmigen Survival lieben. Zach Cregger geht mit Resident Evil in die Geschichte ein. Es ist die erste Videospielverfilmung, die alle bisherigen in allen Punkten übertrifft. Ich habe nichts anderes von ihm erwartet.

Resident Evil startet am heutigen 17. September in den deutschen Kinos.

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