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Kino 06.09.2026

Ich hasse Oasis seit den 90ern – aber diese Disney+-Doku hat mich im Kino fast zum Weinen gebracht

Ich hasse Oasis seit den 90ern – aber diese Disney+-Doku hat mich im Kino fast zum Weinen gebracht
Im Kino und bei Disney+ können Fans dieses Jahr die Reunion von Oasis nacherleben. Moviepilot-Chefredakteurin Jenny Jecke erklärt in ihrer Kritik, warum sich die Doku lohnt.

Ich bin definitiv nicht die Zielgruppe von Oasis: Don't Look Back in Anger, der neuen Konzert-Doku über die Reunion-Tour der Gallagher-Brüder nach 16 Jahren Trennung. Liams rostige Kreissäge von einer Stimme geht mir auf die Nerven, und überhaupt war Blur schon immer die bessere Band, die aus dem Britpop-Boom der 90er hervorgegangen ist.

Samstagmorgen lief jedoch diese Doku bei den Filmfestspielen von Venedig und was soll ich machen? 29 Grad Außentemperatur auf dem Lido meinen Skalp grillen? Nein, der einzige logische Weg für diese Oasis-Haterin führte in die klimatisierte Pressevorführung. Heraus kam ich mit ein paar Tränen in den Augen.

An Oasis: Don't Look Back in Anger ist sogar der Peaky Blinders-Schöpfer beteiligt

2009 brach Oasis endgültig auseinander. Auf eine Serie von abgesagten Konzerten folgten Rechtsstreitigkeiten zwischen den Gallagher-Brüdern und, nach eigenem Bekunden, Funkstille. Einen kurzen Recap des Bruder-Zwists gibt es in der Doku der Regisseure Will Lovelace und Dylan Southern, die mit Shut Up and Play the Hits schon dem Abgang von LCD Soundsystem ein Denkmal gesetzt haben. Als Autor und Creator der Doku ist überdies Peaky Blinders-Boss Steven Knight an Bord. In der Tat merkt man der Doku an, dass hier eine formende Hand am Werk war, die man bei anderen Filmen dieser Art vermisst.

2025 endete die Funkstille, als sich Oasis für die Welttournee Oasis Live '25 wieder zusammenfand. Etwa eine halbe Stunde begleitet die Doku die Proben, und dieser Abschnitt bietet am meisten Einsicht für – wahlweise – Fans, Musikwissenschaftler oder Familientherapeuten.

Der Trailer für Oasis: Don't Look Back in Anger:

Diese Aufnahmen destillieren die Banddynamik. Noel sorgt sich ums musikalische Arrangement und die Feinheiten. Liam schaut sporadisch vorbei, schreit ins Mikro und zieht kommentarlos davon wie ein Minenarbeiter, der das Tageslicht herbeisehnt. Die anderen Bandmitglieder ackern in der Peripherie. Nur Paul "Bonehead" Arthurs wird später für etwa 30 Sekunden des zweistündigen Films mit Liebe überschüttet. Brüderliche Eintracht sucht man zunächst vergebens. Gerade Liam Gallagher, dem im Alter die Aura eines unausgeschlafenen Christian Bale anhaftet, bleibt unter Bucket Hat und Parka ein Phantom.

Der wahren Hauptdarsteller der mitreißenden Disney+-Doku sind die Fans

Mit Beginn der Tour in Cardiff im Juli 2025 erscheint die dritte Hauptkraft der Dokumentation: die Fans. Der Blick nach innen richtet sich von nun an nach außen. Was die Doku an Erkenntnissen über die Band vermissen lässt, gleicht sie mit dem Porträt ihrer Besucher aus. In Oasis: Don't Look Back in Anger werden selbstverständlich alle großen Hits angerissen, verteilt auf Konzerte in England, Südkorea, Brasilien, Argentinien und mehr. In Erinnerung werden mir aber weniger die Passagen aus "Wonderwall" oder "Supersonic" bleiben, sondern die Gesichter ihres Publikums: nach dem Konzert in seliger Verzückung, in Tränen aufgelöst oder schlicht in euphorischer Erschöpfung versunken.

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In kurzen Interviews berichten Oasis-Jünger aus Brasilien oder Südkorea davon, wie die Musik ihnen aus dunklen Stunden geholfen hat. Wie die Liebe zu dem zerstrittenen Brüderpaar sie mit Fremden zusammengeführt hat. Wie eine zerbrochene Band eine Verbindung zwischen Menschen geschaffen hat, die während des Britpop-Zenits noch nicht geboren waren.

Fast hatte ich den Eindruck, einem Gottesdienst mit insgesamt 2,88 Millionen Gläubigen beizuwohnen. Tatsächlich finden Will Lovelace und Dylan Southern einen Priester, der über Oasis predigt. Das ist kitschig und wirkt wahnsinnig "geschrieben". "Originell" ist auch nicht das Wort, das ich für die Message von Oasis: Don't Look Back in Anger gebrauchen würde. Die größenwahnsinnige Idee, aus einer skandalträchtigen Band schlecht gelaunter Multimillionäre eine Lehre für unser allgemeines Zusammenleben zu ziehen – nach der Devise: Don't Look Back in Anger! – hat sich jedoch bei mir verfangen. So sehr, dass ich beim Anblick der letzten Sekunden selbst etwas aufgelöst war und zugeben musste: Ja, vielleicht hat Oasis wirklich ein paar Banger produziert.

Ich habe Oasis: Don't Look Back in Anger bei den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig gesehen. Das deutsche Publikum kann den Film vom 9. bis 13. September im Kino begutachten, darunter auch in IMAX-Kinos. Später im Jahr folgt die Veröffentlichung bei Disney+.

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