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Kino 08.09.2026

Fluch auf Vinyl: In bestechendem Mysterythriller kann eine Frau plötzlich keine Männerstimmen mehr hören

Fluch auf Vinyl: In bestechendem Mysterythriller kann eine Frau plötzlich keine Männerstimmen mehr hören
Ein neuer Horrorthriller mit starker Idee provoziert gerade auf dem Fantasy Filmfest Gänsehautmomente. Er fragt: Was wäre, wenn dir als Frau plötzlich die Fähigkeit abhanden käme, männliche Stimmen wahrzunehmen?

Kennst du dieses unangenehme Gefühl, wenn du nach einer Flugzeuglandung oder einem Tauchgang für eine Weile alle Geräusche nur gedämpft wahrnehmen kannst und deine eigene Stimme lauter hörst als alles andere? So ähnlich klingt das im neuen Mysterythriller Nervous für die Hauptfigur. Nur, dass ihr Taubheitsphänomen ausschließlich Männerstimmen betrifft. Aktuell läuft der Film im Programm des Fantasy Filmfests 2026.

Stille als Fluch oder Segen? Der Thriller Nervous schleicht sich unheimlich in deinen Gehörgang

Die Irin Sarah (Sarah Bolger) zieht mit ihrem koreanischen Ehemann Sungsoo (Sungsoo Yune) nach Südkorea. Im Haus seiner Tante wollen sie in Nervous ihr neues Heim einrichten. Doch nicht nur das Gebäude, sondern auch eine per Grammophon abgespielte alte Schallplatte, auf der nur das Knistern der Stille zu hören ist, geben Sarah ein ungutes Gefühl.

Die Quittung für das Anhören des uralten Vinyl-Tracks bekommt sie am nächsten Tag: Die Stimme ihres Partners und auch die aller anderen Männer ihrer Umgebung verkommen zu einem undeutlichen Hintergrundgemurmel. Frauen wie ihre Ärztin oder die nette Nachbarin Eunyeol (Ko Asung) kann sie hingegen problemlos verstehen. Ist das medizinisch erklärbar oder steckt etwas weit Unheimlicheres dahinter? Am Ende ist die erschreckende Erkrankung vielleicht sogar ein Geschenk für Sarah, um besser auf sich selbst zu hören.

Schaut hier den ersten Teaser-Trailer zu Nervous:

Der britische Regisseur Abner Pastoll (A Good Woman Is Hard to Find) lebt selbst in Korea. Wie er zur Deutschlandpremiere von Nervous auf dem Fantasy Filmfest in Berlin erzählte, wurde er von einem Zeitungsartikel zu der ungewöhnlichen Idee seines Films inspiriert. In dieser wahren Geschichte hörte eine Chinesin ihren Freund plötzlich nicht mehr, was schließlich auf ein seltenes gesundheitliches Phänomen zum plötzlichen Verlust der tieferen Frequenzen zurückgeführt werden konnte. In Pastolls fiktionaler Version taucht der Thriller aber in ganz andere (Gehör-)Gänge ab.

Der Horrorthriller Nervous geht ins Ohr und bleibt im Kopf

Visuell ist Nervous wenig aufsehenerregend. Stattdessen besticht der Thriller vor allem auf der Tonebene. Vom ersten lauten Schlürfen an suchen die Geräusche das Ohr der Heldin heim und steigern sich zunehmend zu einer auditiven Erfahrung zwischen Übersensibilität und Gehörsturz. Sanfte ASMR-Klänge sucht man hier vergeblich.

Die dazu passende koreanische Sprachbarriere wird clever mit Untertiteln deutlich, die dann fehlen, wenn Sarah selbst nicht alles versteht. Aber vor allem metaphorisch brilliert Nervous, wenn sich kleine Details wie ein abgeschnittenes Wort oder Sarahs subtile Bevormundung durch ihren Mann langsam zur Beobachtung steigern: "Dein Freund hört sich ziemlich gerne reden, was?" Wenn dann noch verschwundene Frauen und ermordete Männer der Nachbarschaft das Gefühl der Ungeborgenheit steigern, zahlen die vielen kleinen Fährten auf ein faszinierendes Ende ein, das Pastoll jedem selbst zur Interpretation freistellt.

Die unerwartet blutigen (Fantasie-)Szenen, die der Thriller zwischendurch buchstäblich "anschneidet", hätte Nervous gar nicht nötig gehabt, um im Kopf zu bleiben. Für alle, die gern etwas Gehirnschmalz in ihre Mysteryhorror-Unterhaltung investieren, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick – oder Lauscher – in die Abgründe einer Frau, die aus einem männlichen Schatten heraustreten muss.

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Wir haben Nervous auf dem Fantasy Filmfest 2026 in Berlin gesehen. Im Rahmen des Genre-Festivals habt ihr am 14. September in Köln, München und Stuttgart, am 21. September in Nürnberg und am 28. September in Frankfurt ebenfalls noch die Chance dazu. Ein regulärer deutscher Kino- oder Heimkinostart ist derzeit noch nicht bekannt.

Zum Originalartikel →

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