Ein neuer Braveheart? So gut ist der Action-Historienfilm The Uprising mit Andrew Garfield wirklich

Die englischen Bauern sind am Limit. Als der Rat des Königs die Steuern weiter erhöht, ist für die Menschen eine Grenze überschritten. Sie beginnen eine brutale Revolte, deren Handlung an einen anderen Film über Freiheitskämpfer erinnert: Braveheart. Aber kann The Uprising - Für die Freiheit mit dem Meisterwerk von Mel Gibson mithalten?
Ab dem 10. September zeigt The Uprising – Für die Freiheit die wahre Geschichte des Bauernaufstands von 1381 im Kino. Regisseur Paul Greengrass hält dafür die Kamera direkt in die Action und drückt dem Historienfilm seinen inszenatorischen Stempel auf. Wer Schwierigkeiten mit wackeligen Bildern hat, sollte sich hier zur Sicherheit eine leere Popcorntüte mitnehmen.
Paul Greengrass inszeniert Andrew Garfield als Freiheitskämpfer
Andrew Garfield bewies schon in Historienfilmen wie Hacksaw Ridge oder Silence, dass er Charaktere aus längst vergangenen Zeiten überzeugend darstellen kann. In The Uprising sticht seine Schauspielleitung als englischer Bauer im Spätmittelalter ebenfalls heraus. Mit Paul Greengrass (Das Bourne Ultimatum, Captain Phillips) erzählt den Aufstand ein hochkarätiger Action-Regisseur, der auch das Drehbuch beisteuerte.
Dennoch hat der Film kaum mehr als Action und Andrew Garfield zu bieten. Anders als Braveheart entwickelt The Uprising keine mitreißende Sogwirkung und kitzelt keine großen Emotionen hervor. Zudem merkt man, dass Greengrass die Drehbücher für einige seiner besten Filme nicht selbst geschrieben hat.
Deswegen kommt es in The Uprising – Für die Freiheit zum Aufstand
Die Krone braucht mehr Geld. Der Rat des Königs will aber die Reichen und Mächtigen nicht stärker besteuern. Deshalb beschließen die Ratsmitglieder, die Steuern gegen die Bauern zu erhöhen. Die Eintreiber quetschen ihnen mit voller Härte und Tricks jeden Penny heraus. Auch Andrew Garfields namenlose Hauptfigur, die von allen nur Ploughman – Pflüger – genannt wird, soll Steuern für seine Familie zahlen – obwohl diese schon vor Jahren von der Pest dahingerafft wurde. Da platzt dem Bauer der Kragen.
Er prügelt sich mit Soldaten und tötet einen von ihnen. Die beistehende, wütende Menge schließt sich der Gewalt an, da die Eintreiber zuvor junge Bäuerinnen misshandelt haben. Damit kommt der erste Stein der Revolte ins Rollen.
Unter der Führung des abtrünnigen Soldaten Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und des Predigers John Ball (Jamie Bell) entwickeln sie sich zu einem geschlossenen Widerstand. Auch Ploughman schließt sich ihnen an und marschiert mit ihnen nach London. Dort wollen sie ihre Freiheit erlangen und den Korrupten die Herrschaft entreißen.
Und ständig wackelt die Kamera
In The Uprising treibt Greengrass die "Shaky-Cam"-Inszenierung wieder einmal auf die Spitze. Der Regisseur ist bekannt dafür, dass er seine Filme großteils mit Handkameras aufnimmt, wodurch das Bild deutlich stärker wackelt als üblich. Auch in seinem neuen Film wird jeder Kampf mit hektischen Kameraschwenks und schnellen Schnitten eingefangen. Das funktioniert in den Action-Höhepunkten, verliert aber mit der Dauer seine unmittelbare Wirkung, weil das Bild selbst bei Landschaftsaufnahmen wackelt. Statt dem Film Authentizität zu verleihen, wirken die Aufnahmen in solchen Momenten nicht natürlich, sondern gezwungenermaßen unruhig.
Seine Stärken hat The Uprising in "ruhigeren" Momenten. Etwa in einer Kampfszene in Zeitlupe und zwei emotionalen Gesprächen von Ploughman mit dem König und der Königinmutter. Während die Inszenierung Geschmackssache ist, bleibt das größte Problem des Films das Drehbuch.
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Deswegen ist Braveheart ein emotionalerer Film als The Uprising
Greengrass missachtet durchgehend eine Grundregel des Erzählens: Show, don't tell. Die Figuren reden ständig über ihre Verluste und ihre unwürdigen Lebensumstände, gezeigt wird das kaum. Man kann die Beweggründe der Bauern zwar nachvollziehen, selbst wenn man nur halbwegs aufpasst. Für eine emotionale Bindung zu den Figuren reicht das aber nicht.
Deswegen fehlt The Uprising, was Braveheart zum Meisterwerk macht: eine berührende Ausgangsgeschichte und eine Figur wie William Wallace, die mit ihrem historischen Vorbild vielleicht nicht viel gemeinsam hat, für deren Ziele das Publikum jedoch brennt. In Braveheart erleben wir die Unterdrückung der Aufständischen, ihre Opfer und ihren Kampf für die Freiheit, als wären wir selbst dabei. In The Uprising bleibt das – trotz der inszenatorischen Tricks – generisch und distanziert.
The Uprising gelingt durch seine Schwächen kein konkreter Kommentar zur heutigen Zeit
Hinzu kommt, dass der Film seine Wendungen nicht schlüssig aufbaut. Sie passieren einfach und man muss rätseln, wieso die Figuren plötzlich so handeln. Erst im Nachgang folgt – wieder durch Dialoge – ein Erklärungsansatz. Darunter leiden vor allem der Höhepunkt und das Ende.
Somit bleibt The Uprising ein Action-Historienfilm, der durchaus Verbindungen zur heutigen Zeit herstellt. Etwa, weil sich eine wütende Menge Jahre nach einer Pandemie in unsicheren Zeiten gegen die Herrschenden auflehnt. Dennoch gelingen dem Film nur Ansätze und nie ein konkreter Kommentar zur Gegenwart. Dafür bleiben die Figuren zu stereotypisch, die Handlung zu oberflächlich und die Dramaturgie zu holprig.
The Uprising - Für die Freiheit läuft ab dem 10. September in den deutschen Kinos.
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