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Rock / Heavy Metal 24.09.2026

Drug Church im Luxor, Köln: »Keep diving«

Drug Church im Luxor, Köln: »Keep diving«

Dass Patrick Kindlons Performance mit Drug Church zwischen Hardcore-Prediger und Stagediving-Coach pendelt, ist durchaus nichts Neues. Dass ihm eine Show voller umherfliegender Gliedmaßen am meisten Freude bereitet, ebenfalls nicht. Daher gab der Frontmann bei den vergangenen beiden Köln-Shows auch herzlich viel dafür, dass es eben das unbedingt gibt. Im Gegensatz zu 2024 und 2025 dürfte er dieses Mal mehr als zufrieden von der Bühne gegangen sein.

Doch vorher dürfen ihre langjährigen Buddys Hippie Trim ran. Die Band aus NRW war schon 2019 dabei und durfte nun sogar den Großteil der Europatour mitfahren. Warum das so gut passt, beweisen Hippie Trim nach nur wenigen Songs. Die setzen nämlich auf ähnliche Prinzipien: Hardcore mit Melodien und Atmosphäre andicken, ebenso mit 90s-Appeal, Pop-Punk mit einem beherzten Tritt in die Fresse verkleben.

Und noch besser: Trotz dem komplett entfesselten Schreisänger Malte Unasch, der hier zunächst mit Kettenhaube auftritt und nicht viel von Kindlons ungewohnt ruhiger Bühnenpräsenz hat, nehmen Hippie Trim Hardcore das oft Verbissene, bei gleichzeitiger Ernsthaftigkeit. Das liegt wohl nicht nur an den Songs oder der kleinen Bubble von Superfans oder Bekannten in der ersten Reihe, sondern auch an den HipHop-Skits, Unaschs Dancemoves und “Keep On Rocking In The Free World” am Ende.

Bis auf das Thema Melodien und Hooks ein kompletter Szenenwechsel: Liquid Mike aus Michigan. Die Band von Mike Maple ist trotz eines Haufens Alben in recht kurzer Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt in Deutschland. Es ist ihre erste Köln-Show. Zu bieten hat der roughe Indie-Power-Pop mit Synthie- und Trompeten-Melodien aber auf jeden Fall was. Nicht der Stoff, aus dem Moshpits gemacht sind, aber eher, um sich im College in Zeitlupe mit Enzyklopädien zu bewerfen. Weezer und deren Fans dürfte das gefallen.

Auch wenn das berüchtigt schlauchartige Luxor in Köln vor der Bühne kaum Platz bietet, hat es doch zwei Vorteile: Es ist vorn voll – und die Bühne ist niedrig. So niedrig, dass Kindlon selbst schon so etwas wie Respekt vortäuscht und in Aussicht stellt, dass alle mit krummen Nasen nach Hause gehen werden. Denn er hat heute nur im Sinn, dass alle den besten Abend ihres Lebens haben und so viel Stagediven wie nur möglich. Bei den letzten beiden Köln-Besuchen musste sich das Publikum noch sehr bitten lassen. Vermutlich etwas vorgeschädigt geht Kindlon auf Nummer sicher, schreit “Catch!”, holt Leute auf die Bühne und ruft vehement immer wieder zu “keep dancing” und “keep diving” auf.

Nötig hat er es eigentlich nicht. Vom stampfenden “Million Miles Of Fun” zu Beginn an mit Drums und Bass, die direkt in der Magengrube landen, ist die Sache eigentlich klar. Hippie Trim tummeln sich im Pit, ebenso wie ziemlich textsichere Fans vorn, denen Kindlon immer wieder das Mikro entgegenstreckt. Während sich seine Band vor allem um Gitarrist Nick Cogan fast in einen meditativen Rausch spielt, genießt Kindlon sichtlich, was sie damit bewegen. Es vergehen keine 30 Sekunden und irgendwelche Füße in der Luft oder Leute, die auf der Bühne landen.

Um trotz allem auf Nummer ganz sicher zu gehen, zeigt Mercher Shaun noch einmal den perfekten Stagedive, der alle ermutigen soll, die unter 10 Dives in ihrem Leben gemacht haben. Das zeigt durchaus Wirkung, wobei zwischenzeitlich bei dem recht langen Set mit 18 Songs für eine Hardcore-Show dem ein oder anderen die Puste ausgeht.

Irgendwann muss auch Kindlon zu seiner Überraschung eingestehen, dass es eine “verdammt wilde Show für Deutschland” ist und grinst zufrieden, wahrscheinlich schon wissend, was er gleich vorhat. Beim vorletzten Song “Myopic” gibt er einer Frau das Mikro, die bisher mit breitem Grinsen jeden Song mitschreien konnte – und zeigt seine Stagediving-Künste. Ganz so textsicher ist der Fan auf der Bühne dann gerade doch nicht und lässt sich aushelfen, bis Kindlon irgendwann wieder zurückkehrt, bevor der fiese Melodic-Hardcore-Hit “Weed Pin” mit seinen schneidenden Gitarren das Set in einem kleinen Gemetzel beendet. Wenn das so weitergeht, kann Kindlon das Coachen sein lassen und sich wieder ganz dem Predigen widmen.

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