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Rock / Heavy Metal 21.09.2026

Beartooth live in Oberhausen: Liebeserklärungen, Pride und Größenwahn

Beartooth live in Oberhausen: Liebeserklärungen, Pride und Größenwahn

Liebeserklärungen ans Publikum sind während Konzerten nichts Außergewöhnliches, ist doch zufällig fast immer das gegenwärtige Konzert auch das – laut den Künstler:innen – “beste der ganzen Tour”. Am Freitag in Oberhausen ist jedoch einer der seltenen Augenblicke, in denen man die Liebeserklärung dem Künstler abkauft: Unter Tränen und mit brüchiger Stimme meldet Beartooth-Frontmann Caleb Shomo kurz vor dem letzten Song, dass er jede einzelne Person in der Turbinenhalle unendlich doll lieben würde und ihnen dankbar ist, dass sie zum Konzert erschienen sind. Wer einen Blick auf die Meldungen zur Band im vergangenen halben Jahr wirft, versteht: Hier sind keine Floskeln, sondern echte Emotionen am Werk.

Im Mai dieses Jahres outet sich Shomo als homosexuell. Obwohl der Großteil der Reaktionen positiv ausfällt, gibt es auch negative Kommentare, die sich vor allem um Shomos Scheidung von seiner Ehefrau drehen. Auch zahlreiche homophobe Angriffe in den Kommentarspalten und Reddit-Foren dieser Welt muss Shomo über sich ergehen lassen. Zeitlich findet die Tour von Beartooth glücklicherweise zum genau richtigen Zeitpunkt statt: Die Wogen um Shomos Privatleben haben sich seit Mai geglättet und erst am Vortag in Frankfurt spielt die Band ihr erstes Konzert seit seinem Coming-out.

Ein wenig überraschend ist dennoch, dass sich Shomo, bis auf die ein oder andere Danksagung ans Publikum, recht wortkarg gibt. Einzig als ein Fan eine Pride-Flagge auf die Bühne wirft, holt er kurz aus und berichtet dem Oberhausener Publikum, dass in den vergangenen Monaten “unglaublich viel Scheiße” über sein Privatleben bekannt geworden sei: “Aber der einzige Grund, warum ich das mit der Außenwelt geteilt habe, war, um mich näher zu der Person zu bringen, die ich wirklich bin”, so Shomo, bevor er passenderweise den Song “Free” vom aktuellen Album “Pure Ecstasy” anstimmt, der sich ganz offen mit seinem Coming-out beschäftigt.

Die Ambitionen der Band bleiben dennoch größer als ihr Erfolg: So war die Show in Oberhausen zunächst für die Rudolf-Weber-Arena angekündigt, bevor sie vor einigen Wochen in die deutlich kleinere Turbinenhalle herunterverlegt wurde, wo am Abend noch die Kasse geöffnet ist.

Dabei überzeugt das Line-up der Tour: Relativ unspektakulär, wenn auch ambitioniert, eröffnen Kingdom Of Giants den Abend. Deutlich mehr Fans haben Silverstein mitgebracht. Die kanadische Post-Hardcore-Band gibt sich positiv gestimmt, Frontmann Shane Told berichtet, dass er seinen Jetlag endgültig überwunden hat, und bestimmt, dass es nicht mehr besser als an diesem Abend wird. Große Ansagen benötigt das Publikum nicht, stattdessen singen die Anwesenden teils lauter als bei den nachfolgenden Beartooth mit. Den größten Jubel heimsen Silverstein aber dennoch für “My Heroine” ein, den sie Caleb Shomo widmen. Der überzeugt im Anschluss mit seiner Band auch dank einer durchgetakteten Bühnen- und Lichtshow, die auch die hintersten Reihen mitreißen kann. Die größte Überraschung ist aber wohl das frühe Ende des Sets: Nach nur knapp 75 Minuten verlassen Beartooth mit den letzten Tönen von “Might Love Myself” die Bühne.

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